“Ausbildung muss sich an neue Generationen und Lebensrealitäten anpassen”

Ein Doppelinterview mit Petra Hölzel, Geschäftsbereichsleitung Kinder und Familie, und Ausbildungskoordinatorin und Praxismentorin Doris Wüstholz über die Begleitung von Auszubildenden im Bereich Kindertagesstätten bei der AWO.

Ausbildung ist bekanntlich ein zentrales Zukunftsthema. Petra Hölzel und Doris Wüstholz sprechen über die heutige Gestaltung der Ausbildung, welche Rolle dabei Praxisanleitung spielt und warum viele Auszubildende ihren beruflichen Weg bei der AWO fortsetzen.

Frau Hölzel, inwiefern ist Ausbildung bei der AWO ein zentrales Thema?

Hölzel: Ausbildung ist für uns kein Nebenthema, sondern eine zentrale Zukunftsaufgabe. Wir investieren bewusst in junge Menschen, weil sie die Fachkräfte von morgen sind und unsere pädagogische Qualität langfristig sichern. 

Was bedeutet das konkret für die Kita-Einrichtungen der AWO?

Hölzel: Über die letzten sechs Jahre haben wir den Fokus auf Qualität in der Ausbildung geschärft, eine übergeordnete Mentorenstelle geschaffen und auch finanziell investiert. Zudem haben wir neben der klassischen Erzieherausbildung den Modellversuch “OptiPrax” von Beginn an mitgemacht und bilden nun auch intensiv im Nachfolgemodell “PIA” aus. Die Rahmenbedingungen für hochwertige Ausbildungsbedingungen in den Einrichtungen werden fortwährend sorgfältig in den Blick genommen bzw. den Bedürfnissen angepasst.  Bei uns wird die Ausbildung strukturiert begleitet und wertgeschätzt. Wir wollen Fachkräfte aus den eigenen Reihen entwickeln und ihnen Perspektiven bieten. Erfahrene Fachkräfte aus der Praxis stellen ihre Haltung, ihre Persönlichkeit und ihr Wissen bereit und investieren dabei viel Engagement in die Begleitung der Auszubildenden. Das stärkt nicht nur die Teams, sondern auch die Bindung an das Unternehmen.

Frau Wüstholz, wie erleben Auszubildende die Praxisanleitung bei der AWO?

Wüstholz: Gute Praxisanleitung erfordert den Aufbau einer guten Beziehung und viel Zeit. Wir zeigen dabei echtes Interesse am Menschen. Regelmäßige Anleitungsgespräche, Reflexion und das bewusste Verbinden von Theorie und Praxis schaffen Sicherheit und Struktur. Auszubildende sollen sich von uns gesehen fühlen, Fragen stellen und Schritt für Schritt in ihre Rolle hineinwachsen dürfen. Zum Beispiel können Praxisanleitungen und Auszubildende bei einem sogenannten “Walk & Talk” mit mir über ihre Themen aus dem Ausbildungsalltag sprechen. Auch themenspezifische Workshops und Fortbildungen gehören zu unserem ganzheitlichen Konzept. 

Wie gelingt ein erfolgreicher Übergang in die Fachkraftrolle?

Hölzel: Wir gestalten diesen Übergang ganz bewusst, damit junge Fachkräfte Sicherheit gewinnen und Verantwortung übernehmen können. Das ist oft nicht einfach im Alltag und fordert weiter alle Teams und einzelne Kolleginnen heraus. Jede Fachkraft braucht eine Einarbeitung und damit Zuwendung und Verständnis dafür, dass es Zeit braucht, in die neue Verantwortung einer Fachkraft mit allen Aufgaben und Erwartungen hineinzuwachsen. Der Rollenwechsel und damit auch das veränderte eigene Selbstverständnis verlaufen ganz individuell. Durch den Vorteil, unsere AWO-Strukturen und Abläufe bereits aus der Zeit der Ausbildung zu kennen, wird dieser Prozess allen leichter gemacht. Zudem haben neue Fachkräfte über das Angebot der Rückbindung an die Praxismentorin auch nach der Ausbildungszeit und dank dem gewachsenen Austausch mit “Gleichgesinnten” schon während der Ausbildungsphase hilfsbereite Ansprechpartner…

Wüstholz: …und der Erfolg dieser Begleitung ist nachweisbar: Viele Auszubildende bleiben bei der AWO, weil sie sich gut vorbereitet fühlen, die Teams kennen und klare Perspektiven sehen – fachlich wie persönlich. Unser Ausbildungskonzept zieht interessierte Bewerber*innen an und die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen bestätigt uns in unserem Tun.

Ausbildung ist stets im Wandel – wie geht die AWO mit Blick in die Zukunft damit um?

Hölzel: Wandel gehört dazu, ist richtig und wichtig. Auch Ausbildung muss sich an neue Generationen und Lebensrealitäten anpassen. Wir verstehen diese Entwicklung als Chance, sie lebendig und zukunftsfähig zu gestalten. Außerdem fordern uns diese jungen Menschen heraus, eigene Komfortzonen zu verlassen, festgefahrene Strukturen zu hinterfragen, aufzubrechen und sich stets offen und mit Weitblick den Themen der Gesellschaft anzunehmen. Auch wenn uns die Finanzierung von Ausbildungsplätzen AWO intern zunehmend vor Herausforderungen stellt und wir sorgfältig die Kosten im Blick behalten müssen, soll es ein klares Statement geben: JA zur Ausbildung im Bereich Kinder und Familie – jeder Cent ist es wert investiert zu werden! Für die Gegenwart und die Zukunft.